Ein neuer Start
Bis Mitte der fünfziger Jahre gab es noch keinen hauptamtlichen Trainer beim SC 1910 Ederen. Die Spieler trainierten sich gegenseitig selbst. Nach Absprache traf man sich mehrmals in der Woche auf dem Sportplatz, es waren meistens um die 20 Spieler. Zuerst war Konditionstraining gefragt. Man lief 10 bis 20 mal um den Platz herum. Die meisten Spieler schafften auch die 20 Runden. Schnelligkeit wurde gefördert durch Laufen nach gemeinsamem Start aller Anwesenden von einem Tor zum anderen. Dann wurden 2 Mannschaften gewählt, die noch ein Spielchen hinlegten.
Die Zeichen der Zeit hatte Christian Mandelartz erkannt. Er "kümmerte" sich seit 1949 um die Schülermannschaft, die bis dahin vom Verein kaum beachtet worden war. Alle Schüler bis zum 14. Lebensjahr konnten in einer Mannschaft spielen. Darauf folgte die Jugendmannschaft für Jungen bis zum 18. Lebensjahr. Einmal in der Woche war Training angesetzt. Gespielt wurde gegen Schülermannschaften der umliegenden Orte. Zu Auswärtsspielen fuhr man mit dem Fahrrad, manchmal stellte Bäcker Zander einen kleinen von einem Pferd gezogenen Wagen zum Transport der Spieler zur Verfügung.
Nach etwa einem Jahr wagte man sich an größere Vereine heran. In Baesweiler war ein Spiel angesetzt. Als die Spieler sich vor dem Spiel "warm schossen", kam der Trainer der Baesweiler Mannschaft zu Christian Mandelartz und bemerkte: "Herr Mandelartz, wie ich sehe haben die Burschen aus Ederen schon einen strammen Schuss, denen müssen sie nur noch Technik beibringen". Als die Ederener Schüler zur Halbzeit schon 3 : 0 führten kam er wieder und sagte kleinlaut: "Herr Mandelartz, die können es ja schon".
Im Sommer 1951 stand ein Spiel gegen die Schüler von SV Alsdorf auf eigenem Platz an, das 4 : 1 gewonnen wurde. Da es beim SC 1910 Ederen nur eine Schülermannschaft gab, mussten vier Jahrgangsstufen zusammen gefasst werden. Entsprechend gab es auch nur eine Jugendmannschaft für Jugendliche von 14 bis 18 Jahren. Größere Orte wie z.B. Jülich, Kirchberg, Koslar, Rödingen oder Titz hatten oft 2 Jugendmannschaften: In der ersten Jugendmannschaft waren dann die schon älteren Spieler anzutreffen. Gegen die um zwei Jahre älteren Spieler hatte die Ederener Jugendmannschaft dann bei Spitzenspielen schlechtere Chancen. Auf diesen Umstand ist es zurück zu führen, dass die Jugend zu dieser Zeit nicht Kreismeister wurde. Das nebenstehende Bild wurde im Jahre 1955 aufgenommen. Es zeigt die Jugendmannschaft des SC 1910 Ederen auf eigenem Platz.
Die erste Mannschaft spielte in den Jahren ab 1950 in der Beziksklasse Staffel 6 "Rur-Wurm". Zum Ende der jeweiligen Saison hatte man folgenden Tabellenplatz erreicht:
1951/52 | Tabellenplatz 4 |
1952/53 | Tabellenplatz 12 |
1953/54 | Tabellenplatz 10 |
1954/55 | Tabellenplatz 5 |
1955/56 | Tabellenplatz 11 |
Nach dem guten Abschneiden in der Spielzeit 1954/1955 glaubte man die in die Jahre gekommenen älteren Herren aussortieren zu können. Die radikal verjüngte Mannschaft verlor aber die ersten sieben Spiele! Jetzt mussten die älteren Herren wieder die Stiefel schnüren, unter ihnen auch Christian Mandelartz, der die Mannschaft auch taktisch betreute. In der Schlusstabelle konnte man sich auf den 11. Platz retten.
In den folgenden Jahren tat man sich schwer, die Bezirksklasse zu halten. Man merkte aber vom Jahr zu Jahr, dass der von Christian Mandelartz geschulte Nachwuchs sich mauserte und in die erste Mannschaft aufgenommen werden konnte.
Einige Spieler wechselten zwar berufsbedingt zu anderen Vereinen, kamen dann aber nach kurzer Zeit wieder nach Ederen zurück. Das folgende Bild auf der Seite 71 wurde 1958 auf dem Sportplatz in Ederen aufgenommen. Ein unverwüstlicher der alten Garde ist noch dabei: Peter Esser!
1957/58 hatte Hubert Fest die Jugendmannschaft wieder unter seine Fittiche genommen.
In den Spieljahren 1958/1959 und 1959/1960 hatte die Mannschaft schon gute Spiele hingelegt. In beiden Jahren hatte man in der Schlusstabelle einen Mittelplatz erreicht.
Im Verein erkannte man die Aufwärtsentwicklung der Nachwuchsspieler und versuchte nun einen hauptamtlichen Trainer zu verpflichten. Doch der war nicht so leicht zu finden. Mehrere Versuche schlugen schon nach kurzer Zeit fehl. Nach einem Hinweis von Hermann Hambloch gelang es jedoch dem Vorsitzenden Josef Koch einen ehemaligen Spieler aus der ersten Mannschaft von Alemannia Aachen als Trainer für Ederen zu verpflichten: Hans Reuter aus Kohlscheid.
Jetzt war nicht nur intensives Konditionstraining angesagt, auch taktische Spielzüge wurden einstudiert. In kurzer Zeit war eine wesentliche Formverbesserung der Spieler zu verzeichnen. Mit Hans Reuter hatte der Verein einen guten Griff getan, er verbesserte nicht nur die spielerischen Fähigkeiten der jungen Akteure, sondern wusste diese auch zu begeistern.
In der Gruppe Rur-Wurm stellte Germania Kirchberg zur dieser Zeit eine starke Mannschaft. In der Spielzeit 1960/61 erreichte Kirchberg den dritten, Ederen den achten Tabellenplatz. Im Jahr darauf entschloss sich Ederens Trainer auch als Spieler für die Meisterschaft mit zu wirken.
Jetzt wurde die Mannschaft so stark, dass sie schon nach den ersten Spielen zusammen mit Germania Kirchberg als Meisterschaftsanwärter zählte. Aus dem Kreis Jülich spielten noch der SC Jülich 1910 und TuS Linnich in dieser Gruppe, Linnich konnte zeitweise auch in die Spitzengruppe aufschließen. Der Kampf um die Spitze dauerte bis zum Saisonende. Die Ergebnisse der letzten vier Spiele:
SC Erkelenz - SC 1910 Ederen | 1 : 2 |
SC 1910 Ederen - Vikt. Wassenberg | 7 : 2 |
Adler Effeld - SC 1910 Ederen | 0 : 2 |
SC 1910 Ederen - SV Brachelen | 5 : 0 |
Erst am letzten Spieltag wurde über den Meistertitel entschieden, da Kirchberg nur einen Punkt zurücklag. Ederen durfte nicht verlieren! Aber mit 5 : 0 über Brachelen erkämpfte Ederen den Meistertitel der Bezirksklasse Rur-Wurm.
Ederen war zum vierten Mal Meister der Bezirksklasse geworden und hatte zum ersten Mal den Aufstieg in die Landesliga geschafft! Nicht nur für den SC 1910 Ederen, sondern für das ganze Dorf ein Ereignis, das durch nichts anderes zu übertreffen war. Das Dorf feierte eine ganze Woche.
Die Siegesfeier setzte sich im Saal fort. Der Vorsitzende des Kreisfußballausschusses, Blum, überbrachte die Glückwünsche des Kreisverbandes Jülich. Die Vertreter vieler Fußballvereine waren erschienen, um an diesem ganz besonderen Volksfest teilzunehmen.





